Im Sommer, wenn die Pariser die Stadt in Richtung Küste verlassen, gewinnt die Hauptstadt an Höhe. Ihre Dächer, lange den Schornsteinfegern und Katzen vorbehalten, sind zum bevorzugten Schauplatz sommerlicher Abende geworden und bieten eine Perspektive auf Paris, die die Straße niemals offenbart.
Paris vom Himmel aus sehen, ohne ins Flugzeug zu steigen
Eine gelungene Pariser Dachterrasse beruht auf einer präzisen Balance: ein freier Blick auf ein emblematisches Monument, eine sorgfältig zusammengestellte Cocktailkarte und ein Licht am Ende des Tages, das den Naturstein in Gold verwandelt. Manche bieten einen direkten Blick auf den Eiffelturm, andere überblicken lieber die typischen Zinkdächer des haussmannschen Paris, jenes graue Meer, das von Schornsteinen durchsetzt ist und sich bis zum Horizont erstreckt.
Rechtes Seine-Ufer, die Eleganz der Kaufhäuser
Die Dächer der Kaufhäuser am Boulevard Haussmann zählen zu den zugänglichsten und spektakulärsten Aussichtspunkten der Hauptstadt, mit dem Invalidendom, der Opéra Garnier und Sacré-Cœur, die zum Greifen nah scheinen. In den Galeries Lafayette Haussmann hat sich das Bistro Balcon unter der Leitung von Küchenchef Julien Sebbag auf der historischen Dachterrasse des Kaufhauses niedergelassen und serviert saisonale Küche vor diesem Panorama. Etwas weiter entfernt setzt die begrünte Terrasse von Perruche, auf dem Dach des Printemps de l'Homme, auf eine mediterran inspirierte Karte. Der Eintritt ist tagsüber oft kostenlos, was sie zu einer idealen Station macht, bevor man den Abend anderswo fortsetzt.
Institut du Monde Arabe, der Blick auf Notre-Dame
Am linken Seine-Ufer bietet die Terrasse des Institut du Monde Arabe eines der schönsten Panoramen auf Notre-Dame und die Île Saint-Louis, in einem von Jean Nouvel gestalteten architektonischen Rahmen. Der Kontrast zwischen der modernen Fassade mit ihren metallenen Maschrabiyya-Gittern und der gotischen Silhouette der darunterliegenden Kathedrale erzeugt eines der eindrucksvollsten Bilder von ganz Paris.
Die Höhenbars im Osten von Paris
Diskreter gelegen, bevorzugen die Dachterrassen des 10. und 11. Arrondissements eine entspanntere Atmosphäre, zwischen Naturwein-Bars und begrünten Terrassen, ohne notwendigerweise auf ein emblematisches Monument im Hintergrund abzuzielen. Über dem Kaufhaus BHV erstreckt sich Le Perchoir Marais auf 250 Quadratmetern mit Blick auf die Zinkdächer des Viertels, während die historische Adresse Le Perchoir Ménilmontant eine sichere Wahl für einen Sonnenuntergang über dem Osten von Paris bleibt. Noch diskreter gelegen, pflegt La Bellevilloise, hoch über dem 20. Arrondissement, eine gesellige Atmosphäre fernab des touristischen Trubels. Hier treffen sich im Sommer oft die Pariser selbst, fernab der touristischen Warteschlangen.
Wo man übernachtet, um die Pariser Dächer zu genießen
Mehrere Hotels der Hauptstadt verfügen über eine eigene, für Gäste zugängliche Dachterrasse, sodass sich das Erlebnis verlängern lässt, ohne vorab einen Tisch reservieren zu müssen. Im Le Brach Paris, im 16. Arrondissement, bietet die Terrasse Villa Minuty ein 360-Grad-Panorama über die Stadt. Unweit der Champs-Élysées schmiegt sich der Toit du Raphael in einen hängenden Garten mit Blick auf den Arc de Triomphe und den Eiffelturm. Und in der Nähe des Louvre entfaltet das Roof Paris des Hotels Madame Rêve, auf dem Dach der ehemaligen Poste du Louvre gelegen, einen 180-Grad-Blick auf Saint-Eustache, Beaubourg, das Panthéon und Notre-Dame. Wählen Sie ein Haus im Viertel Opéra oder Marais, um leicht zu den besten Höhenadressen der Stadt zu gelangen.
Wann man hingehen sollte
Juli und August bleiben das beste Zeitfenster: Die langen Tage ermöglichen es, den Sonnenuntergang bereits ab dem Abendessen zu genießen, und der Andrang an diesen Orten, die den Rest des Jahres oft bestürmt werden, lässt während der Sommerzeit leicht nach, wenn viele Pariser Stammgäste selbst im Urlaub sind.
