Montmartre leidet unter einem widersprüchlichen Ruf: universell geliebt für seinen Charme als Hügeldorf, ebenso universell kritisiert für die touristische Dichte seiner berühmtesten Gassen. Mitten im Sommer, wenn ein Teil der Pariser die Hauptstadt verlassen hat, findet die Butte jedoch zu einem Rhythmus zurück, der demjenigen näher kommt, der einst so viele Maler verführte.
Die Basilika und ihr Vorplatz, ganz früh am Morgen
Sacré-Cœur bleibt die Pflichtstation jedes Montmartre-Besuchs, doch sein Vorplatz zeigt je nach Uhrzeit ein ganz anderes Gesicht. Wer vor neun Uhr morgens ankommt, kann den Blick auf Paris von den Treppen aus genießen, ohne die Dichte der Gruppen, die den Ort ab Mittag überrennen, und das frühe Morgenlicht auf der weißen Kuppel bewundern.
Die Place du Tertre – besser umgehen
Die Place du Tertre mit ihren fest ansässigen Malern bündelt den Großteil des touristischen Andrangs im Viertel. Die angrenzenden Gassen wie die Rue de l'Abreuvoir oder die Rue Saint-Rustique bieten ein Erlebnis, das dem Bild vom alten Montmartre viel näher kommt: Kopfsteinpflaster, städtische Weinreben, blumengeschmückte Fassaden, ohne die Dichte des benachbarten Platzes.
Das Montmartre der Künstler, noch immer lebendig
Jenseits des Klischees bewahrt Montmartre eine echte künstlerische Erinnerung: das Bateau-Lavoir, wo Picasso die Demoiselles d'Avignon malte, das von Utrillo verewigte rosa Haus oder das Musée de Montmartre, untergebracht im ehemaligen Atelier von Renoir und Suzanne Valadon. Diese Orte, oft zugunsten von Selfies vor dem Sacré-Cœur vernachlässigt, erklären, warum sich um die Jahrhundertwende so viele Künstler hier niederließen.
Der Weinberg von Montmartre und die Weinlese im Oktober
Am Nordhang des Hügels erinnert der Weinberg von Montmartre, einer der letzten städtischen Weinberge der Hauptstadt, daran, dass die Butte lange von Mühlen und Feldern bedeckt war, bevor sie zu einem Pariser Viertel wurde. Seine Weinlese, jeden Herbst in einer Atmosphäre wie bei einem Dörffest mitten in Paris organisiert, zählt weiterhin zu den liebenswertesten Ereignissen des Viertels.
Wo man in Montmartre übernachtet
Wer direkt auf der Butte wohnt, kann das Viertel ganz früh morgens und spät abends genießen, sobald die Reisebusse wieder abgefahren sind. Adressen rund um die Rue Lepic oder die Rue des Abbesses bieten einen guten Kompromiss zwischen dörflichem Charme und praktischem Zugang zum übrigen Paris per Metro.
Wann man hingehen sollte
August bleibt paradoxerweise einer der ruhigsten Monate, um Montmartre eingehend zu entdecken, da sich der Gruppentourismus eher auf Frühling und Frühherbst konzentriert.
