Mit dem Sommer ändert Paris sein Verhältnis zum Wasser. Die Seine und der Canal Saint-Martin hören auf, bloße Kulissen zu sein, und werden wieder zu vollwertigen Lebensräumen, in denen man picknickt, schlendert und entschleunigt — in einer Stadt, die das sonst selten kann.
Paris Plages, eine Erfindung wird zum Ritual
Seit über zwanzig Jahren verwandeln sich die Seine-Ufer jeden Sommer in städtische Strände, mit Liegestühlen, Palmen in Kübeln und manchmal sogar Becken zum Abkühlen. Die 2002 ins Leben gerufene Aktion hat das Verhältnis der Pariser zu ihrem Fluss dauerhaft verändert: Man lässt sich dort inzwischen nieder wie am Strand, ohne unbedingt auf einen Urlaub anderswo zu warten. Im Mittelpunkt stehen zwei Hauptorte: der Parc Rives de Seine, der am linken Ufer vom Pont d'Iéna bis zum Pont des Arts und am rechten Ufer vom Pont Neuf bis zum Port de l'Arsenal verläuft, sowie das Bassin de la Villette im 19. Arrondissement, wo man sich auch im Paddeln und Kanufahren versuchen kann.
Eine neu gestaltete Uferpromenade für Fußgänger
Die Uferschnellstraßen, lange dem Autoverkehr vorbehalten, wurden in den letzten Jahren großteils den Fußgängern und Radfahrern zurückgegeben. Die durchgehende Promenade, die nun am linken Ufer vom Musée d'Orsay bis zum Pont de l'Alma verläuft, ermöglicht es, die Stadt zu Fuß zu durchqueren, direkt auf Höhe des Wassers, mit einer Perspektive auf die Pariser Brücken, die kein anderer Aussichtspunkt bietet.
Der Canal Saint-Martin, Sommer im Viertelformat
Weiter nördlich bietet der Canal Saint-Martin eine andere Art, den Pariser Sommer zu erleben: weniger touristisch, alltäglicher. Seine gepflasterten Ufer und gusseisernen Fußgängerbrücken, durch das französische Kino berühmt geworden, füllen sich ab den ersten schönen Tagen mit Gruppen, die zwischen den Schleusen picknicken, die nach wie vor den Durchzug der Lastkähne rhythmisieren. Der Quai de Valmy und der Quai de Jemmapes konzentrieren das meiste Treiben, zwischen der Terrasse des Point Éphémère und den Tischen des Hôtel du Nord, bekannt geworden durch den Film von Marcel Carné. Etwas weiter versammelt der Square des Récollets die Stammgäste zu einer Partie Pétanque oder Tischtennis.
Kreuzfahrten und Baden, zwei Arten, das Pariser Wasser zu erleben
Für alle, die das Wasser selbst den Ufern vorziehen, bieten Seine-Kreuzfahrten eine ergänzende Perspektive auf die Pariser Wahrzeichen, besonders schön am späten Nachmittag. Und seit dem Sommer 2026 sind mehrere kostenlose, überwachte Badestellen direkt in der Seine eröffnet worden: unter dem Pont Louis-Philippe im 4. Arrondissement, an den Becken von Bercy gegenüber der Bibliothèque François-Mitterrand im 12., und am Bras de Grenelle im 15., gegenüber der Pariser Freiheitsstatue. Das Bassin de la Villette und ein Abschnitt des Canal Saint-Martin, auf Höhe des Quai de Jemmapes, ergänzen das Angebot bei Hitzewellen.
Wo man übernachtet, um Paris am Wasser zu genießen
Ein Hotel im Viertel Saint-Germain-des-Prés oder auf der Île Saint-Louis bietet direkten Zugang zu den Seine-Ufern, während das 10. Arrondissement rund um die Rue de Lancry seine Gäste nur wenige Schritte vom Canal Saint-Martin und seinen Terrassen entfernt unterbringt.
Wann man hingehen sollte
Paris Plages findet in der Regel von Mitte Juli bis Mitte August statt. Es ist auch die Zeit, in der der Pariser Verkehr am leichtesten ist, da ein guter Teil der Einwohner selbst im Urlaub ist.
