Man stellt sich Venedig oft als eine in der Vergangenheit erstarrte Stadt vor, ein Freilichtmuseum, dessen Paläste nur von der Flamboyant-Gotik oder dem Barock der Dogen erzählen. Dabei vergisst man, dass die Stadt seit über einem Jahrhundert eines der meisterwarteten Ereignisse der zeitgenössischen Weltkunst beherbergt — und dass diese Energie die Stadt weit über die Biennale-Jahre hinaus durchzieht.
Die Biennale, das globale Treffen der zeitgenössischen Kunst
Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, bleibt die Biennale von Venedig das Referenzereignis, um aktuelle Kunsttrends zu entdecken, länderweise präsentiert in den historischen Pavillons der Giardini und den weitläufigen Räumen des Arsenale. Auch außerhalb der offiziellen Ausgaben beherbergen diese Orte regelmäßig Ausstellungen, die einen Umweg wert sind, fernab der klassischen touristischen Routen.
Palazzo Grassi und Punta della Dogana, die Pinault-Sammlungen
Zwei der schönsten Schaufenster zeitgenössischer Kunst der Stadt gehören zur Sammlung Pinault. Der Palazzo Grassi am Canal Grande und die Punta della Dogana an der Spitze des alten Zollhauses zeigen Wechselausstellungen internationaler Künstler, in ständigem Dialog mit der ursprünglichen venezianischen Architektur inszeniert. Der Kontrast zwischen historischen Mauern und höchst zeitgenössischen Werken erzeugt eine visuelle Spannung, die anderswo selten erreicht wird.
Venezianische Stiftungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Neben diesen beiden Institutionen verdienen mehrere diskretere Stiftungen einen Besuch: Die Fondazione Querini Stampalia verbindet eine klassische Sammlung mit Eingriffen zeitgenössischer Künstler, während die Peggy Guggenheim Collection, untergebracht im unvollendeten Palast der amerikanischen Mäzenin, ein unumgänglicher Halt bleibt, um die Verbindung zwischen Venedig und der Avantgarde des 20. Jahrhunderts zu verstehen.
Abseits der ausgetretenen Pfade: Giudecca und das Arsenale
Die Insel Giudecca, lange Zeit Industriegebiet, beherbergt heute Künstlerateliers und Ausstellungsräume in ehemaligen Lagerhäusern. Das Arsenale, die ehemalige Werft der Republik Venedig, beeindruckt durch seine rohen Volumen, heute umgewandelt in monumentale Ausstellungshallen. Beide Gebiete bieten ein weniger belebtes Venedig, nur zehn Minuten mit dem Vaporetto vom historischen Zentrum entfernt.
Wo man übernachtet, um dieses Venedig zu erleben
Ein Hotel im Stadtteil Dorsoduro, nahe der Peggy Guggenheim Collection und der Punta della Dogana, ermöglicht es, die wichtigsten Orte zeitgenössischer Kunst bequem zu Fuß zu erreichen, während man in angemessener Entfernung zum Trubel rund um den Markusplatz bleibt.
